Das eiserne Herz

„Heinrich, Heinrich der Wagen bricht!“

„Nein, Herr, es ist der Wagen nicht,

es ist ein Band von meinem Herzen,

das da lag in großen Schmerzen.“

Der Froschkönig, Gebrüder Grimm

Wer kennt es nicht, das Gefühl, wenn dir das Herz zerbricht? Wenn es so schmerzt, dass du kaum mehr atmen kannst? Doch irgendwie geht dann das Leben weiter. Wenn man nicht mehr hinguckt, tut es nicht mehr so weh. „Ein Indianer kennt keinen Schmerz“, heißt es oft. Also irgendwie erlernt man die eine oder andere Verdrängungstaktik, um nicht mehr fühlen zu müssen, nicht mehr hinschauen zu müssen und sich erst recht nicht mehr mit dem Thema beschäftigen zu müssen. Gleichzeitig schwört man sich „das passiert mir nie wieder“ und man zieht eine Mauer um sein Herz, vielleicht anfangs noch mit ein paar kleinen Löchern, aber bald werden die auch geschlossen, um sich vor weiteren Verletzungen zu schützen. Im Laufe der Jahre wird aus der Mauer ein Panzer, fest, undurchdringlich und unbeweglich. „Funktioniert ganz gut“, sagt der Verstand, für den dieses Vorgehen völlig verständlich ist. „Aber ich kann nicht mehr atmen“, sagt das Herz. Es muss sich bewegen, es muss schlagen, es muss jede Zelle des Körpers mit Blut versorgen. Wie soll es diese Aufgabe erfüllen, wenn wir es einsperren hinter einer so dicken Mauer? Das Blut wird dick und langsam, unser Körper auch, und das Gemüt stumpf und träge. Aus diesem Herzpanzer entsteht ein Gemütspanzer, nichts kann uns mehr so richtig bewegen, ist ja es alles egal…Und was passiert, wenn einem alles egal ist? Meistens tuts dann einen viel größeren Schlag als den ersten, einen, der unsere sorgfältig aufgebaute Grundfeste zutiefst erschüttert, so dass wir reagieren müssen, sodass es jetzt plötzlich nicht mehr egal ist. Nicht mehr egal sein kann. Und jetzt dürfen wir wieder neu entscheiden. Stellen wir uns diesmal dem Schmerz? Tauchen wir hinab bis auf den Grund des tiefen, dunklen Sees, um diese ungesehenen, ungeliebten Anteile ein für alle mal zu erlösen, um sie zu ergründen und liebevoll in die Arme zu nehmen? Entwickeln wir die Kraft und Stärke, den Schmerz auszuhalten, standzuhalten, diesmal nicht wegzulaufen? Dann bergen wir aus der tiefsten Tiefe unseres Seins einen Schatz, der so unermesslich groß ist, uns strahlen und glänzen lässt und alle Mauern und Panzer unnütz sein lässt. Oder benutzen wir das gleiche Muster wie beim ersten Mal, ziehen wir die Mauern noch höher, machen den Panzer noch dicker, werden wir noch unbeweglicher bis unser Körper den Seelenschmerz in ganz reale Krankheitszeichen manifestiert, wir zu den Ärzten laufen, die uns Pillen verkaufen, die doch nichts bringen außer uns noch kränker werden zu lassen…Du hast die Wahl, wir alle haben die Wahl aus Angst vor dem Schmerz vor uns selbst wegzulaufen oder in uns die Kraft zu entdecken, mit der wir uns sogar der größten Angst stellen können.

Entscheidest du dich dafür, zu kämpfen, dich deiner Selbst zu stellen und dein kleines Ego zu überwinden, bist du in diesem Kampf nicht alleine. Du musst dich nur umsehen und wirst sofort viele kleine oder auch größere Helfer entdecken. Mir ist dieses Jahr das Johanniskraut besonders aufgefallen. Es blüht überall in der Natur in einer Pracht, die uns sagen möchte: „Nimm mich mit, ich helfe dir, dein inneres Licht zum leuchten zu bringen.“ In der Tat soll das Johanniskraut stimmungsaufhellend wirken und kann als Öl oder Tee innerlich und äußerlich angewandt werden. Auch sonst gibt es mehr und mehr Räume, um sich dem Schmerz vorsichtig zu nähern, um aufgefangen und gehalten zu werden, wenn man ihn nicht mehr selbst tragen kann. Sanfte Energie- und Streichmassagen können die wunden Stellen lindern, können uns die Kraft schenken, die starren Panzer aufzubrechen und wieder mit Leben zu füllen. Hier herrscht soviel Ruhe, dass der Körper zu uns sprechen darf, dass wir seine Stimme hören und verstehen können, was er uns mitteilen möchte. Um danach in die wirkliche und ganzheitliche Heilung gehen zu können.

Also trau dich, Menschenkind, sanft zu sein, verletzlich zu sein, heil zu werden und dein Herz mit Liebe zu nähren. Namasté.

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